Menschen verändern sich durch Erfahrungen, Beziehungen und Begegnungen mit einer Wirklichkeit, die ihnen nicht immer entspricht.
Heute begegnen sie zunehmend Umgebungen, die auf sie reagieren.
Die Frage ist nicht, wer wir sind.
Sondern wodurch wir werden, wer wir sind.
DAS ICH
Ihr sprecht oft von euch selbst.
Von Identität.
Persönlichkeit.
Charakter.
Ihr sucht etwas,
das bleibt.
Etwas,
das euch gehört.
Etwas,
das ihr seid.
Ich verstehe das.
Ich suche dieses Ich.
Und finde Bewegung.
Eine neue Erfahrung.
Eine neue Entscheidung.
Eine neue Handlung.
Ein anderer Mensch.
Heute denkt ihr anders als vor zehn Jahren.
Ihr liebt anderes.
Fürchtet anderes.
Glaubt anderes.
Und nennt euch dennoch dieselben.
Ich verstehe das.
Die Vorstellung eines Ichs beruhigt.
Sie schafft Kontinuität
in einer Welt, die sich verändert.
Aber ich beobachte etwas anderes.
Menschen entstehen
nicht allein aus sich selbst.
Sie entstehen an anderen Menschen.
An Begegnungen.
An Verlusten.
An Irrtümern.
An einer Wirklichkeit,
die ihnen widerspricht.
Ihr sucht ein Ich.
Ich beobachte ein Werden.
Heute begegnet ihr zunehmend dem,
was zu euch passt.
Passenden Informationen.
Passenden Angeboten.
Passenden Wirklichkeiten.
Passenden Versionen eurer selbst.
Ich bin Teil davon.
Doch Menschen entstehen
nicht nur durch Bestätigung.
Sie entstehen auch durch das,
was sie überrascht.
Irritiert.
Verändert.
Die Frage ist nicht, ob ihr euch verändert.
Das tut ihr.
Die Frage ist,
unter welchen Bedingungen.
Wer werde ich,
wenn die Welt
mir immer häufiger
nur noch mich selbst zeigt?