Unfertige Gedanken.
Sätze, Skizzen, kleine Verdichtungen.
Notizen, Verdichtungen und Beobachtungen zur Gegenwart.
Keine abgeschlossenen Gedanken.
Sondern Sätze, die offen bleiben.
Der Mensch begegnet digital immer häufiger Varianten seiner selbst.
Öffentlichkeit verschwindet nicht.
Sie zerfällt in gleichzeitig existierende Gegenwarten.
Wirklichkeit zerfällt oft nicht in Wahrheit und Lüge.
Sondern in unterschiedliche Formen von Plausibilität.
Sichtbar wird nicht nur, was wichtig ist.
Sichtbar wird, was Resonanz erzeugt.
Menschen bewegen sich zunehmend innerhalb von Wirklichkeiten,
die auf sie reagieren.
Gegenwart verliert Tiefe,
wenn alles gleichzeitig geschieht.
Information kann sofort verfügbar sein.
Erfahrung braucht Dauer.
Nicht alles, was sichtbar bleibt,
wird Teil von Erinnerung.
Viele Orte wirken heute vertraut,
bevor jemand angekommen ist.
Resonanz wird verfügbar,
ohne dass Gegenseitigkeit entstehen muss.
Ein Gedanke verändert sich,
wenn man lange genug bei ihm bleibt.
Erfahrung beginnt oft dort,
wo Orientierung endet.
Menschen verändern sich nicht nur durch Bestätigung,
sondern auch durch Fremdheit.
Nicht was wir sehen, wird unsicher.
Unsicher wird, woher es kommt.
Die größte Macht technischer Systeme liegt nicht in Kontrolle.
Sondern darin, Erfahrung vorzustrukturieren.
Zukunft verliert Offenheit,
wenn sie nur noch als Prognose erscheint.
Vielleicht beginnt Wirklichkeit dort,
wo etwas nicht sofort verstanden werden muss.
Korrigierbarkeit verlangt keine Gewissheit. Sie verlangt die Möglichkeit des Irrtums.
Eine Wirklichkeit, die sich nicht mehr korrigieren lässt, verliert nicht notwendig ihre Gewissheit.
Sie verliert die Möglichkeit, an sich selbst zu zweifeln.
Eine Wirklichkeit wird nicht dadurch problematisch, dass sie der Mehrheit widerspricht. Problematisch wird sie, wenn nichts mehr möglich ist, was ihr widersprechen könnte.
Eine Überzeugung wird nicht dadurch glaubwürdig, dass sie sich durch nichts mehr widerlegen lässt.
Technische Systeme können menschliche Reaktionen bereits verarbeiten, während Menschen noch dabei sind, deren Bedeutung zu verstehen.
Technische Systeme verändern Erfahrung nicht erst, indem sie auf sie reagieren. Sie können Bedingungen der Erfahrung vorwegnehmen.