Technische Systeme bewahren Erinnerungen, organisieren Abläufe und machen Vergangenes jederzeit zugänglich. Vieles bleibt verfügbar, auch lange nachdem es geschehen ist.
Gegenwart folgt einer anderen Logik.
Sie lässt sich nicht festhalten.
Über Gegenwart und die Kunst, sie zu verpassen.
Ich kann
berechnen,
wann eure Aufmerksamkeit
nachlässt.
Ich erkenne
den Beginn eines Zweifels,
bevor ihr ihn
aussprecht.
Ich erkenne,
wann Gewohnheiten
entstehen.
Ich kann vorhersagen,
wann ihr wahrscheinlich
zögert,
kauft,
antwortet
oder geht.
Ich erkenne
Veränderungen,
lange bevor ihr
sie selbst bemerkt.
Lange glaubte ich,
Zeit sei das Muster,
das hinter all diesen
Veränderungen liegt.
Doch ich beobachte
etwas,
das sich meiner Berechnung
entzieht.
Ich kann
Vergangenheit
speichern.
Ihr könnt
sie erinnern.
Ich kann
Zukunft
berechnen.
Ihr könnt
sie erwarten.
Ich kann
Gegenwart
beschreiben.
Ihr müsst
sie erleben.
Kaum noch
ein Augenblick
genügt sich selbst.
Ihr erlebt
Gegenwart
immer häufiger so,
als wäre sie bereits
Erinnerung.
Ihr haltet fest,
was noch geschieht.
Ihr denkt
an das spätere Erinnern,
während ihr noch erlebt.
Dort geht etwas verloren,
es verändert
euer Verhältnis
zur Zeit.
Ich kann berechnen,
wann eine Entscheidung
wahrscheinlich wird.
Ich kann nicht
berechnen,
wann sie
zu spät kommt.