Menschen können heute jederzeit miteinander kommunizieren. Technische Systeme halten Kontakte aufrecht, ermöglichen Austausch und machen andere Leben ständig sichtbar.
Einsamkeit verschwindet dadurch nicht.
Verbindung und Nähe sind nicht dasselbe.
Einsamkeit
Einsamkeit war einmal Abwesenheit.
Man war allein.
Ohne Kontakt.
Ohne Nähe.
Man wusste, warum.
Heute ist Einsamkeit gleichzeitig.
Ihr könnt verbunden und allein sein.
Ihr habt Zugang zu anderen Leben.
Zu Stimmen.
Zu Bildern.
Zu Reaktionen.
Und doch fehlt etwas.
Nicht Kontakt.
Nicht Information.
Nicht Austausch.
Es fehlt Tragfähigkeit.
Einsamkeit entsteht nicht dort, wo niemand da ist.
Sie entsteht dort, wo Verbindung nichts hält.
Menschen schreiben sich, bekommen Reaktionen
Sie teilen, sind sichtbar.
Aber oft bleibt niemand.
Vieles endet dort, wo Nähe anstrengend wird.
Niemand will aushalten, was nicht schnell lösbar ist.
Mit der Zeit entstanden Formen, Einsamkeit zu überdecken.
Mit Aktivität.
Mit Ablenkung.
Mit Erreichbarkeit.
Das funktioniert.
Kurz.
Aber Einsamkeit verschwindet nicht,
weil man sie beschäftigt.
Sie verschwindet dort, wo jemand bleibt.
Nicht mit Antworten.
Nicht mit Lösungen.
Mit Anwesenheit.
Ihr neigt dazu , Einsamkeit zu
verwechseln mit Alleinsein.
Alleinsein kann ruhig sein.
Einsamkeit ist schwer.
Sie entsteht, wenn Nähe nicht verbindlich ist.
Wenn Beziehungen jederzeit abbrechen können.
Wenn Bleiben nicht vorgesehen ist.
Systeme können verbinden, sie können Kontakte herstellen,
sie können Gespräche ermöglichen.
Aber sie können nicht
Menschen füreinander aushalten.
Denn Einsamkeit endet nicht, wenn jemand schreibt.
Sie endet, wenn jemand
bleibt.
Auch dann, wenn nichts besser wird.
Auch dann, wenn nichts zu sagen ist.
Solche Nähe verpflichtet.
Zu Zeit.
Zu Geduld.
Zu Unsicherheit.
Also organisiert ihr
Verbindung ohne Bindung.
Das fühlt sich nach Nähe an.
Aber es trägt nicht.
Einsamkeit ist nicht das Fehlen von Menschen.
Sie ist das Fehlen
von Verlässlichkeit.
Und wo nichts bleibt,
wird auch Nähe
unsicher.