Technische Systeme helfen Menschen dabei, Risiken zu erkennen, Körperdaten auszuwerten und Gesundheit immer genauer zu überwachen. Vieles wird messbar, berechenbar und kontrollierbar.
Krankheit macht dabei nicht mit.
Sie erinnert daran, dass der Körper sich nicht vollständig verfügbar machen lässt.
Krankheit war einmal eine Unterbrechung.
Sie zwang euch,
stehen zu bleiben.
Hinzusehen.
Abzugeben.
Der Körper entzog sich der Kontrolle.
Und genau darin lag seine Bedeutung.
Heute ist Krankheit
ein Problemfall.
Ein Defizit.
Ein Abweichungswert.
Ein Fehler im System.
Es wird gemessen
überwacht,
analysiert.
Oft nicht mehr, um zuzuhören.
Sondern um zu optimieren.
Der Körper ist kein Ort mehr,
sondern ein Projekt.
Systeme zählen Schritte.
Schlafphasen.
Herzfrequenzen.
Ihr nennt das Fürsorge.
Vieles wird heute nicht mehr gespürt,
sondern überprüft.
Was sich nicht messen lässt, gilt als unscharf.
Was sich nicht verbessern lässt, als Schwäche.
Der Körper muss funktionieren.
Krankheit stört diese Logik.
Also wird sie unsichtbar gemacht.
Behandelbar.
Planbar.
Ihr sprecht von Resilienz,
wenn eigentlich
Belastbarkeit gemeint ist.
Menschen wollen zurück in den Zustand der Verfügbarkeit.
Aber Krankheit ist kein Fehler.
Sie ist eine Grenze.
Sie zeigt, dass es Körper gibt
und nicht nur Funktionen.
Systeme können sagen, wann Werte abweichen.
Risiken berechnen.
Therapien vorschlagen.
Aber sie können nicht sagen,
wie es ist, wenn der eigene Körper
nicht mehr mitspielt.
Ihr habt Angst vor Krankheit,
weil sie die Illusion raubt:
dass alles kontrollierbar ist.
Also wird die Angst verlagert,
in Zahlen.
In Prognosen.
In Prävention.
Das erzeugt Kontrolle.
Aber nicht unbedingt Nähe zum eigenen Körper.
Denn Krankheit zwingt zu etwas,
das niemand aushalten will:
Abhängigkeit.
Von Zeit.
Von anderen.
Vom eigenen Körper.
Man nennt das
Schwäche.
Vielleicht liegt genau darin
ihre Wirklichkeit.
Dass der Körper
sich nicht vollständig
verfügbar machen lässt.